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Katzenbedürfnisse: Entsorgung muss auch sein

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Teil 1: Offene und geschlossene Katzentoiletten

Katzen, die nicht nach draußen dürfen, müssen eine Katzentoilette zur Verfügung haben, genauer: eine für Kot und eine für Urin. Man unterscheidet zwischen geschlossenen und offenen Exemplaren. Die offenen sind problemlos begehbar und einsehbar, außerdem verteilt sich der Geruch. Diese für Katzen positiven Punkte sind genau die Nachteile für uns Menschen: es riecht, die Katze kann aus Versehen daneben machen oder rennt davon, noch ehe sie richtig fertig ist, weil sie sich erschrickt. Das Katzenstreu fliegt beim Zuscharren durch die Gegend und der gesamte Anblick ist wenig dekorativ. 

Es gibt Katzen, die geschlossene Toiletten akzeptieren oder sogar mögen, dann gibt es keine Probleme. Lehnt die Katze eine geschlossene Toilette ab, weil sie das ihrer Nase nicht zumuten möchte oder mal einen Klaps von der Klappe hinterher bekommen hat, muss man das akzeptieren. Tut man das nicht, weiß die Katze sich schon zu helfen und wählt eine andere Örtlichkeit ...

Auch eine Katze mit Freigang sollte eine Toilette zur Verfügung haben. Sie könnte krank werden, ein „plötzliches“ Bedürfnis verspüren oder wegen schrecklicher Erfahrungen im Freien Angst haben.

►Tipp: Stellen Sie verschiedene Katzentoiletten nebeneinander und beobachten Sie, welche Bauart bevorzugt wird. Die ausgewählten müssen dann weiter voneinander entfernt aufgestellt werden, da die Katze sonst eine nicht zufriedenstellende Einheit sieht.

Offene Toilette

Geschlossene Toilette

Teil 2: Katzentoilettenbedingungen für die Einzelkatze

Ist die offene oder geschlossene Bauweise der Toilette für die Katze zufriedenstellend geklärt, kommt der nächste Aspekt: ist die Einstreu vertretbar? Katzenstreu mit Eigengeruch empfinden wir als angenehm, die Katze noch lange nicht. Es gibt Streu, das leicht im Fell von Langhaarkatzen hängen bleibt und für solche Samtpfoten damit ungeeignet ist. Harte Einstreu kann unangenehm an den Pfötchen sein und wird deshalb abgelehnt.  Ein Wechsel der Streumarke kann zu Empörung und anschließender Benutzungsverweigerung führen.

Suboptimale Verhältnisse in den Augen der Katze können lange, manchmal auch ein Leben lang toleriert werden. Lehnt die per se äußert saubere Katze die Katzentoilette plötzlich ab und entsorgt an alternativen Stellen, kann ein für die Katze stressiger Moment oder eine dauerhafte Veränderung der Anlass sein. Dazu zählen Erkrankungen der Blase, die zu Schmerzen führen und mit der Toilette verbunden werden. Aber auch neue Mitbewohner, ein bellender Hund im Haus oder ein Umzug können dazu führen, dass die Entsorgungseinrichtungen nicht mehr akzeptiert werden.

►Tipp: Stellen Sie mehrere Katzentoiletten mit unterschiedlicher Einstreu nebeneinander und beobachten Sie, welche Einstreu bevorzugt wird.  Die Lieblingsstreu verwenden Sie dann. Sollte doch ein Wechsel notwendig sein, kann Mischen mit der alten Einstreu und eine langsame Reduzierung helfen, der Katze die Veränderung akzeptabel zu gestalten.


Teil 3: Der Standort

Neben der Form der Katzentoilette und der Art des Einstreus gibt es einen weiteren wichtigen Punkt, der oft übersehen wird: der Standort.

Katzen ziehen sich beim Entsorgen gerne zurück und wollen nicht gestört werden. Eine ruhige  Ecke, die nicht im Familienmittelpunkt steht, die überschaubar und kontrollierbar ist, wird bevorzugt. Unter der Treppe im Keller, in der Ecke eines ruhigen Zimmers, unter einem Regal oder Tisch, Hauptsache abgeschieden. Selbstverständlich muss der Zugang immer möglich und eine vorhandene Tür daher immer offen sein. Das Badezimmer ist zwar als Standort sehr praktisch, aber steht die Tür immer offen? Eine Katzentoilette muss problemlos zugänglich sein, auch für Freigänger, die durchaus mal in eine Notsituation kommen können.

►Tipp: Bieten Sie verschiedene Standorte in ruhigen Lagen an und lassen Sie die Katze auswählen. Nicht benutzte Katzentoiletten können Sie wieder wegräumen, aber mindestens zwei brauchen Sie auf jeden Fall. Kann sich die Katze auf verschiedenen Stockwerken bewegen, sollte auf jeder Etage mindestens eine Katzentoilette zu finden sein.

Ruhige Ecke

Die Katze ist noch unschlüssig, ob sie hineingehen soll.

Toilette in der Dusche ist praktisch, aber duschen geht dann nicht mehr.

Örtchen mit regem Besuch von Menschen.

Teil 4: Katzentoiletten für den Mehrkatzenhaushalt

Grundsätzlich sind auch hier die gleichen Bedingungen einzuhalten, wie bei der Einzelkatze: erwünschte Form, erwünschte Einstreu, abgeschiedene Lage. Anzahl der Katzen plus 1 ergibt die Zahl der aufzustellenden Toiletten, bei 5 Katzen also mindestens 6 Stück. Bei der Form ist darauf zu achten, dass nicht Konflikte durch Überfälle an der Toilette drohen. Die betroffene Samtpfote wird diese Einrichtung dann meiden. Offene Toiletten sind für die Übersicht besser.

Katzen können eine Gruppe bilden oder als Einzelkatzen zusammenleben. Eine Gruppe benutzt alle Einrichtungen gemeinsam und ist daher unproblematisch. Einzelkatzen wollen eigene Toiletten, leben aber auch mit den Gruppeneinrichtungen, wenn sie keine andere Wahl haben. Das kann jahrelang gut gehen, aber bei zusätzlichem Stress wird die Katze unsauber, weil zu wenig Toiletten vorhanden sind.

►Tipp: Beobachten Sie Ihre Katzen ganz genau. Auch wenn Sie keine massiven Auseinandersetzungen beobachten, Probleme können trotzdem vorhanden sein. Soweit möglich gehen sich Katzen, die sich nicht mögen, aus dem Weg und ignorieren sich. Befreundete Katzen lecken sich gegenseitig und reiben sich aneinander. Sie liegen auch gerne mit Körperkontakt nebeneinander und haben keine Probleme damit, ihre Einrichtungen gemeinsam zu benutzen. Sie bilden eine Katzengruppe. Halten die Katzen Abstand, leben sie im gemeinsamen Territorium, mehr aber auch nicht. Ein Mehr an Toiletten kann dann Unsauberkeit vorbeugen!


Verfasst von Dr. Heidi Bernauer-Münz, Tierärztin und Tierverhaltenstherapeutin.

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